Tagebuch zum Kreta-Urlaub im Herbst 2018
 

Donnerstag

22:00 .. pünktlich wie geplant steigen wir in das voll gepackte Auto und starten in Richtung Nürnberger Flughafen. Nele schafft es, ein bisschen zu schlafen, Felix und Moritz sind so aufgeregt, dass sie kein Auge schließen können.
Am Flughafen angekommen, holen wir am Flugschalter die Bordkarten und betreten alsbald den Transitbereich. Der Flieger hebt pünktlich auf die Minute um 4:20 ab. Ich bin total müde und glaube, dass ich bereits eingeschlafen bin, bevor das Flugzeug seinen Steigflug beendet.
 

Freitag

09:00 Ortszeit ... wir betreten kretischen Boden. Die Dame vom Mietwagenverleih erwartet uns bereits und so können wir problemlos unseren Mietwagen -einen dunkelblauen Fiat Doblo- in Empfang nehmen. Und schon geht es auf in Richtung Bali, einer kleinen Stadt an der Nordküste Kretas ins "Petrino Horio", bekannt auch unter der Bezeichnung "Stone-Village" .

Als wir dort ankommen, sind wir alle sechs vollauf begeistert und sehr angetan von diesem Steinernen Dorf. Alles, was mein Auge erfasst, wurde mit sehr viel Liebe zum Detail errichtet und ist überaus hübsch anzuschauen. Wohin ich mich auch wende, es duftet nach den unterschiedlichsten Blumen und Blüten, welch farbenfrohe Pracht!

Die nette Dame von der Rezeption bringt uns Kaffee und Kuchen, um unsere Wartezeit von 1-2 Stunden etwas zu überbrücken, bis unsere Unterkunft bezugsfähig ist. Derweil sehen wir uns vor Ort ein wenig um. Ein wahres Paradies für tierliebende Kinder; es gibt Ziegen, Pferde, Ponys, Gänse, Schildkröten und sogar einen Pfau mit seinen Damen entdecken wir. Bald ist es soweit, wir betreten unsere Räumlichkeiten und versuchen, anzukommen. Mit sechs Leuten ist dies gar nicht so einfach; wenigstens die Zimmeraufteilung geht schnell vonstatten.
Nachdem alles ausgepackt und an seinen Platz gerückt wurde, machen wir uns zu Fuß auf den Weg in den Ort Bali, wo Jörg uns allen eine leckere Mahlzeit in Aussicht stellt. Und er hat nicht zu viel versprochen! Ein kleiner, unscheinbarer Stand namens Street Food verwöhnt uns kulinarisch über alle Maßen. Jeder findet etwas nach seinem Geschmack. Gut gesättigt treten wir den Heimweg an, vorbei an vielen kleinen Geschäften und Souvenirläden. Nele braucht noch einen Bikini, den sie einzupacken vergessen hat.
Zurück in Petrino Horio stürmen die Kleineren den Pool, Jörg und Robin legen sich ein wenig aufs Ohr, ich genieße die Aussicht von unserer Terasse aus und lese ein bisschen, bis es Zeit fürs Abendessen wird. Es fängt leicht an zu regnen, aber das stört mich nicht im Geringsten.
An diesem Abend geht es zeitig ins Bett, wir sind alle miteinander reichlich angeschlagen von der langen Reise, und spätestens gegen 21:00 ist auch der Letzte eingeschlafen.
 
Samstag
Der neue Tag überrascht uns mit vielen dicken und grauen Wolken, die es einfach nicht über den Gebirgskamm schaffen. Nach dem Frühstück sammeln wir uns und blasen zum Aufbruch. Heute ist der Zootag angesagt. Zunächst erkunden wir ein kleines Kloster, das Attali Monastery unweit unserer Unterkunft. Es ist hoch oben auf einem Berg gelegen, so dass wir von dort aus eine herrliche Aussicht haben.

Wir nehmen uns die Zeit, eine Kerze anzuzünden und viele schöne Bilder von der Umgebung zu machen. Wir sehen etliche umher laufende Katzen, und Nele entdeckt am Ausgang einen kleinen süßen Hund, den sie ewig knuddelt und am liebsten mitnehmen möchte. Aber wir wollen weiter...

Unser eigentliches Ausflugsziel führt uns zurück nach Heráklion, vorbei am Flughafen zum CretAquárium. Der Besuch des Meeres-Zoos ist äußerst lohnenswert und interessant. Wir bestaunen die unterschiedlichsten Fische, darunter Haie und den hochgiftigen Feuerfisch. Es gelingt uns, tolle Bilder zu schießen und so wertvolle Erinnerungen mit nach Hause nehmen zu können. Besonders fasziniert sind wir von den fluoreszierenden Quallen, ein fantastisches Bildmotiv!

Zwischenzeitlich telefoniere ich mit einem Freund, der seit mehr als zehn Jahren auf Kreta lebt. Mit ihm verabreden wir uns für Mittwoch, und er hat einen wertvollen Tip für uns: Das Reptisland in Melidoni, einem kleineren Dorf nahe Bali. Der Weg dorthin führt uns ein Stück weit ins Gebirge hinein. Wir durchfahren malerische Landschaften und urtypische kleine Dörfer. In Melidoni angekommen, sind wir zunächst ziemlich erstaunt über den Minimalismus des Reptilien-Zoos. Dieser befindet sich nämlich in dem einzigen Raum eines eher kleinen Häuschens. Unsere Erwartungen bezüglich der Reptilien werden allerdings weit übertroffen. Für kleinsten Eintritt erfahren wir erstaunliches; mehr, als manch einem der Besucher lieb ist ;-) zuerst bekomme ich einen kleinen Gecko auf die Schulter gesetzt, später eine mittelgroße Schlange. Zum Schluss wickeln Nele und ich uns eine der richtig großen Schlangen gmeinsam um den Hals: Sieben Kilogramm schwer und zweieinhalb Meter lang ist die Albino-Phyton. Ich weiß nicht, wie lange wir uns dort aufhalten, jedenfalls fällt es uns sehr schwer, sich von den Reptilien und den hautnahen Erlebnissen zu trennen. Ganz zum Schluss wohnen wir noch der Fütterung einiger Schlangen bei; ein wirklich einmaliges und beeindruckendes Erlebnis, aber ganz sicher nicht jedermanns Sache...

Fast pünktlich zum Abendessen sind wir zurück in der Ferienanlage. Später spielen wir noch eine Runde Karten und gehen beizeiten schlafen.

 

Sonntag

Heute Morgen lacht die Sonne vom Himmel, als wir uns zum Frühstück begeben. Da schmeckt der Kaffee gleich viel besser, zumal ich erst heute entdeckt habe, dass zum Bufet auch griechischer Kaffee angeboten wird.

Für heute steht Rethymno und Umgebung auf dem Programm, unser Kulturtag I. Wir laufen einmal von unten um die Festung Rethymno herum und machen uns dann an den Aufstieg. Auf der Festung ist es heiß, und wir sind dankbar über jedes Fleckchen Schatten. Ich bin vor zehn Jahren schon einmal hier gewesen und erinnere mich noch recht gut an dieses oder jenes Sehenswürdige. Aber es gibt auch Neuheiten; so eine kleine Galerie mit Bildern einer kretischen Malerin, die auch vor Ort ist mitsamt ihren fünf Katzen.

Bevor wir die Festung wieder verlassen, stürzen wir uns in einen Postkartenkaufrausch, um die Daheimgebliebenen zu beglücken oder einfach, um Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen. Ein kleiner Bummel durch die Gassen Rethymnos beschert uns wundervolle Einblicke in das Leben einer kretischen Stadt. Wir essen eine Kleinigkeit und starten zu unseren Weiterfahrt ins Gebirge - zum Kloster Arkadi.

Im Kloster angekommen, verweilen wir recht lang und schießen eine Unmenge an Bildern. Wir beleuchten und betrachten alles bis in den kleinsten Winkel, bis wir uns irgendwann auf den Heimweg begeben. Diesmal nutzen wir nicht die Schnellstraße, sondern schlängeln uns am Fuß des Gebirges entlang, fahren durch unzählige winzige Dörfer und genießen den Ausblick auf die hohen Berge, die zum Teil tief in den Wolken verschwinden.

Zum ersten Mal seit meiner Ankunft spüre ich einen tiefen Frieden in mir, und meine große Liebe zu dieser Insel und seinen Bewohnern erneuert sich.

Nach dem Abendessen kniffeln wir noch ein paar Runden, bis es Schlafenszeit ist. Da mich mein Würfelglück nur selten im Stich lässt, sind meine Mitspieler bald entmutigt und angenervt. Als ob ich das mit Absicht machen würde!
Gute Nacht Kreta, auf einen neuen Tag...

Montag

Heute Morgen finde ich nur sehr schwer aus dem Bett, am liebsten würde ich liegenbleiben und das Frühstück verschlafen. Aber schlafen kann ich auch Zuhause; hier gilt es, eine Insel zu entdecken! So trinke ich wenigstens zwei Tassen Kaffee, während ich den anderen beim Verspeisen ihrer Mahlzeit zuschaue. Vor allem die drei Jungs können mächtig was verdrücken!

Mittlerweile sitze ich auf der Terasse und schreibe, der Rest sitzt im Inneren unseres Häuschens und spielt MauMau. Die endgültige Entscheidung, was wir heute unternehmen wollen, steht noch aus. Letztendlich entscheiden wir uns für einen Wandertag und machen uns auf den Weg nach Àgios Antónios. Dort gibt es eine kleine Schlucht, die laut Beschreibung im Reiseführer auch von Kleinkindern und Gehbehinderten durchwanderbar ist. Ich bin gespannt!

Der Weg beginnt zunächst recht angenehm. Es gibt viel zu betrachten, zu fotografieren, und wir müssen aufpassen, wohin wir unsere Füße setzen. Auf der Mitte des Weges gibt es einen Aufstieg zu einem Aussichtspunkt, den aber nur Jörg und Robin in Angriff nehmen. Wir anderen warten eine Weile und setzen dann den Weg ohne die beiden fort.
Wir laufen noch ein ganzes Stück über Stock und Stein, dann wird der Weg so steil, dass ich aufgebe. Notgedrungen kehren auch die anderen mit mir um. Robin und Jörg sind inzwischen wieder zu uns gestoßen und alles andere als begeistert, dass wir die Schlucht nicht bis zu ihrem würdigen Ende durchqueren. Mich befällt das schlechte Gewissen, aber ich weiß leider nur zu genau, was ich meinen Kniegelenken zutrauen kann und was nicht.
Den Rückweg nach Báli wählen wir quer durch das Gebirge, und so landen wir unverhofft an einem Stausee, von dessen Existenz wir bis dato nichts ahnten.
Wir nutzen den super Ausblick mit einer kurzen Rast an der nahe gelegenen Taverne und genießen. Himmlisch!

Nach dem Abendessen wird wieder gekniffelt, und heute ist Robin der Gerwinner des Abends. Zu später Stunde beginnt es zu regnen, und im Laufe der Nacht werde ich immer wieder kurz von Regengeräuschen geweckt.

 
Dienstag

Dicke Wolken hängen heute am Himmel, als wir den Tag beginnen lassen. Die Luft ist recht kühl, doch ein Blick auf die Wetter-App versichert uns, dass im Süden Kretas heute bestes Badewetter herrscht. Dies passt hervorragend, denn für heute ist unser Strandtag eingeplant. Gleich nach dem Frühstück geht es los. Wir nehmen die Route über Rethymno und Spili. In letzterem legen wir unsere erste Rast ein und unternehmen spontan einen gemütlichen Einkaufsbummel. Einen Briefkasten für unsere Urlaubskarten an die Lieben daheim entdecken wir ebenfalls.

Weiter geht es nach Àgia Galini. Dort machen wir Halt und bummeln ein bisschen über den Strand, während ich mich bemühe, Erinnerungen an meinen ersten Besuch auf Kreta vor zehn Jahren wachzurufen. An der Promenade hat sich vieles verändert, manches ist gleich geblieben. Ich sinniere vor mich hin. Da alle weiter wollen, steigen wir ins Auto und fahren in Richtung Matála. Unser Ziel ist Kommós, DER Strand, an dem wir vor zehn Jahren ganz viel Spaß hatten.
Angekommen, stürzen wir uns sofort in die Fluten und haben unsere Freude am Meer. Heute ist wahrlich der ideale Strandtag; sonnig und wolkenlos, das Wasser angenehm temperiert und ausreichend Wind, um ein paar Wellen zu erwischen. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Nur mit großem Bedauern verlassen wir Kommós. Unser Rückweg führt uns über Heraklión. Als wir im Petríno Hório ankommen, ist die Dämmerung bereits hereingebrochen, und wir stürzen uns ins Getümmel des abendlichen Bufets. Bis zum Schlafengehen wird wieder fleißig gekniffelt.
 

Mittwoch

Heute erwache ich etwas zeitiger als an den vorhergehenden Tagen. Die Sonne lacht hinter ein paar wenigen Wolken hervor; es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Ein klein wenig Abschiedsstimmung beginnt sich breit zu machen, auch wenn wir unsere Unterkunft erst morgen verlassen müssen. Bis alles ausflugbereit ist, sinniere ich ein bisschen vor mich hin, dann geht es los nach Chánia, denn heute ist Besuchstag. In Chánia lebt ein alter Freund von mir, der nun schon viele Jahre auf der Insel ist. Nach 1 1/2-stündiger Fahrt erreichen wir sein Zuhause, von dem er uns lediglich die Koordinaten schicken konnte; eine Adresse gibt es nicht. Mein Bekannter wohnt außerhalb des Stadtrummels in absoluter Abgeschiedenheit und Ruhe, trotzdem nur zehn Minuten entfernt vom Stadftkern.
Wir bekommen etwas zu trinken, die Kinder essen Eis, und es wird gequasselt. Als alles gesagt wurde, lotst mein Bekannter uns zu einem idealen Parkplatz nahe der Altstadt und überlässt uns unserem Touristendasein. Wir bummeln durch Gassen und Straßen, schauen uns vieles an und laufen, bis die Füße dampfen. Am frühen Abend geht es zurück nach Petríno Hório, und pünktlich zur Abendessenszeit parken wir ein. Der letzte Abend in unseren Räumlichkeiten vergeht mit Packen und Sortieren. Die Jungs reagieren ein wenig gereizt, so geht wohl ein jeder etwas anders um mit dem bevorstehenden Abbschied. Eine letzte Kniffelrunde ist trotzdem drin, heute mit Jörg als strahlendem Gewinner...
 

Donnerstag

Die Nacht zog viel zu schnell vorüber, unser letztes Frühstück nehmen wir in gedämpfter Stimmung ein. Abschiedsstimmung. Felix hat Kopfschmerzen. Die restlichen Sachen sind schnell zusammengepackt und im Auto verstaut. Ich checke aus und verlasse Petríno Hório nicht, ohne noch ein paar Fotos zu schießen.
Unser erster Anlaufspunkt ist Knóssos, denn heute ist unser Kulturtag II. Die Überreste dieses minoischen Palastes sind wirklich weitläufig und überwältigend. Irgendiwe kann ich mir nicht vorstellen, dass dies alles vor vielen, vielen Jahren von Menschenhand geschaffen und erbaut wurde, ohne jegliche technische Hilfe...
Von Knóssos aus geht es ins Archäologische Museum in die Stadtmitte Heráklions. Was wir dort betrachten und anschauen können, ist sehr interessant und Tausende von Jahren alt. Zu bestaunen gibt es alles Mögliche; von echtem Goldschmuck bis hin zu Fragmenten von Fresken und Wandmalerei.
Die Skulptur eines Stiekopfes hat es mir ganz besonders angetan, doch es gibt derart viel zu betrachten, dass sich die Aufmerksamkeit irgendwann erschöpft.
Später bummeln wir ziellos durch die Innenstadt, essen eine Kleinigkeit und landen irgendwann am Hafen und der Venezianischen Festung. In ihrem Umfeld verbringen wir eine ganze Weile, plantschen mit dem Füßen im Wasser herum, klettern Mauern hoch oder sitzen einfach da und genießen den Ausblick.
Ich weiß nicht mehr, auf wessen Initiative wir plötzlich am Flughafen landen. Jedenfalls sitzen wir nun im Airport, fünf glatte Stunden Stunden vor Abflugszeit. Die Meute zerstreut sich in alle Winde, ein jeder geht seinen persönlichen Bedürfnissen nach. So finde ich Zeit zu schreiben und zu trauern. Trauer darüber, dass ich Kreta verlassen muss und nicht weiß, wann ich es wiedersehe. Ein ereignisreicher Urlaub findet hier im Flughafenterminal sein verdientes Ende.
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