Tagebuch zum Kreta-Urlaub im Sommer 2008
 

Freitag

13:30 Zum ersten Mal in meinem Leben stehe ich vor einem Flughafen, um in den Urlaub zu fliegen. Nele ist ganz aufgeregt, ich nicht minder; schließlich saß ich noch nie in einem Flugzeug. Eine 3/4 Stunde Verspätung, aber nun können wir einsteigen. Ich bin neugierig und sehr, sehr gespannt.

Im Flieger ist es ziemlich eng, und Nele weiß nicht, wie sie sitzen soll. Nach einer weiteren halben Stunde Wartens geht es endlich los; das Flugzeug rollt in Startposition. Die Maschine hebt ab, und ich bin einfach nur fasziniert. Eine Mischung aus Unglauben und kindlichem Staunen hat mich ergriffen und lässt mich bis zur Landung in Heraklion nicht mehr los. Später wird mir bewusst, dass dieses Erlebnis das ergreifendste nach der Geburt meiner Kinder gewesen ist. Was gibt es schöneres, als zu fliegen...?

19.20 Ankommen. Fühle mich hilflos angesichts der vielen fremden Eindrücke und den Unmengen fremder Sprache. Meine erste Zigarette nach dem Flug macht das Gefühl der kindlichen Ergriffenheit kaputt. Ich bin wieder erwachsen, denke nüchtern und praktisch. Mit dem Taxi geht es quer durch die Insel; von der Nord- an die Südküste Kretas. Wir fahren nach Agio Galini zu unserem Hotel. Der Fahrer fährte extrem schnell über die kurvenreiche Landstraße. Nele ist müde und quenglig, mag weder sitzen noch schlafen. Irgendwann ergibt sie sich der Müdigkeit und legt sich still auf meinen Schoß.

21:30 Wir haben das Hotel Maxine lebend erreicht. Im Stillen danke ich dem Schicksal dafür, dass es seine Hand schützend über uns gehalten und uns nicht an einem Hang oder Berg zerschellen lassen hat. Wir stellen das Gepäck in unser Zimmer, sehen uns kurz um und begeben uns dann zum Abendessen. Wir sind alle drei ziemlich hungrig und lassen es uns schmecken. Die Insel ist bereits ins Dunkel gehüllt, und wir können das Meer nur erahnen. Sitzen draußen auf der Terasse. Später sind Peter und ich noch ein Weilchen auf dem Balkon unseres Zimmers, nachdem Nele endlich eingeschlafen ist. Unterhalten uns über dies und jenes. Dann ist auch für uns der Moment gekommen, diesen aufregenden Tag zu beenden. Gute Nacht!

 

Samstag

Um Punkt neun Uhr wache ich auf. Die Sonne scheint ins Zimmer; es ist warm, und der Tag hat längst begonnen. Mein erster Weg führt mich hinaus auf den Balkon, und ich bestaune die wunderschöne, ungewohnte Aussicht: Das riesige, endlose Meer direkt vor mir, die gewaltigen Berge neben und hinter dem Haus. Das Hotel steht auf einem kleinen, steilen Berg und ist in einen Hang hinein gebaut. Die Aussicht ist fantastisch!

Nach dem Frühstück packen wir ein paar Sachen zusammen und erkunden den Weg zum Strand. Der Abstieg ins Tal ist malerisch. Sieben Minuten später stehen wir am Wasser. Kurze Enttäuschung: Hier gibt es nur einen Steinstrand. Trotzdem lassen wir uns es nicht nehmen, unser erstes Bad im Mittelmeer zu genießen.

12:30 Zeit für den Heimweg. Wir essen zu Mittag und legen die Kleine ins Bett, aber an Schlafen nicht zu denken, obwohl ich neben ihr liege. Ich schlafe bereits vor Nele ein. Eine Stunde später wache ich in Schweiß gebaden auf. Wir machen uns bereit für einen Ausflug in den Ort. Vorbei an Badestränden, Restaurants und Tavernen laufen wir die Strandpromenade entlang und erreichen bald den Stadtkern. Ich bestaune den fremdartigen Baustil der Häuser, die exotischen Pflanzen und das ungewohnte Gebaren der Einheimischen. Hin und wieder fange ich einen Fetzen deutscher Sprache auf. Nach einem ausgiebigen Spaziergang machen wir am Strand Halt und gehen erst einmal baden. Dieses Mal haben wir einen Sandstrand gefunden, und Nele macht sich eifrig ans Graben. Sie bekommt von Peter eine große Schaufel, damit ist sie für den Rest des Tages vollauf beschäftigt.

22:00 Nele ist eingeschlafen. Wir sitzen auf der Terasse, trinken eine Kleinigkeit und besprechen unser Vorhaben für den morgigen Tag. Aber auch der zweite Tag auf Kreta neigt sich dem Ende zu. Geruhsamen Schlaf!

 

Sonntag

8:40 Geplant war ein frühes Aufstehen. Da ich jedoch vergaß,das Handy auf kretische Zeit umzustellen, beginnt unser Tag später als gedacht. Doch schon eine Stunde später tragen wir uns für eine Bootstour nach Preveli ein.

Wir steigen auf das Oberdeck und genießen den vollkommenen Ausblick. Das kleine Schiff legt pünktlich ab, und mir wird ganz flau im Magen Das Boot schaukelt heftig, der Wellengang entlang der Küste ist hoch. Tief durchatmen, nicht nach hinten schauen! Nele scheint es ähnlich zu ergehen. Nach einer knappen Stunde Fahrt übergibt sie sich auf meine Schulter, bald darauf ein zweites Mal. Danach geht es ihr sichtlich besser. Das Boot legt direkt am Strand an, und wir betreten festen Boden über eine Leiter den Bug herab. Ein herrliches Fleckchen Erde; ich fühle mich wie im Film The Beach, nur die Menge an Leuten stört gewaltig an diesem Eindruck. Wünsche mir, hier könnte ich alleine sein!.

17:30 Der Hafen von Agio Galini hat uns wieder. Nach einem kurzen Abstecher ins Stadtzentrum, bei dem ich die Gelgenheit nutze, mir ein schickes, neues Kleid zu gönnen, verbringen wir den Rest des Tages am Strand.

22:00 Nele schläft tief und fest. Wir sitzen auf der Terasse, um die kommenden Tage zu planen. Was werden wir noch alles erleben?

 

Montag

9:00 Wir sitzen beim Frühstück. Das Wetter ist bestens; blauer Himmel, eine strahlende Sonne, nicht eine Wolke zu sehen. Peter hat für die nächsten Tage ein Auto gemietet, und los geht es!

Zuerst besuchen wir die archäologische Ausgrabungsstätte von Gortis und laufen durch die Reste römischer Baukultur. Nele hüpft auf historischen Steinen herum und findet alles klasse. Bei Festos legen wir einen Stop ein und lassen die phänomenale Aussicht auf uns wirken. Anschließend machen wir uns auf die Suche nach DEM Strand. In Komos finden wir ihn: Riesige, schäumende Wellen, die nur knapp vor dem Ufer brechen, genügend Sand zum Buddeln und Spielen für Nele, nur einen einsam wirkenden Imbiss-Stand auf der Höhe.

18:00 Erschöpft, aber zufrieden kommen wir im Hotel an und probieren heute zum ersten Mal den Pool aus. Für Nele ein Heidenspaß, für uns Große eher entspannend und langweilig. Zum Abendessen wirkt Nele heute sehr ausgeglichen und unterhält die anderen Gäste mit ihren Späßchen.

22:00 Nele schläft. Ich selbst bin so müde, dass ich auf dem Balkon wegschlafen könnte. Also nix wie ins Bett...

 
Dienstag

9:00 Ich schlage die Augen auf und freue mich auf den kommenden Tag. Was werden wir heute erleben? Nach dem Frühstück fahren wir los. Geplant ist eine Rundreise durch das Ida-Gebirge. Die Landschaft verändert sich merklich. Berge ragen direkt vor unserer Nase in die Höhe, die Vegetation gewinnt an Kraft und Farbe. Unser erstes Reiseziel, das Kloster Moní Valsamoneron, erreichen wir am frühen Mittag. Die Aussicht von dort ist märchenhaft, das Klostergelände weniger. Nach kurzer, eingehender Besichtigung geht es weiter nach Moní Vrontision, einem etwas größeren Kloster in den Bergen. Aus einem unbestimmten Gefühl heraus entzünde ich in der Kapelle eine Kerze für Katharina. Dies treibt mir die Tränen in die Augen; sie wird nie mehr so schönes erleben dürfen, wie wir es tun.

Auf dem Rückweg bestimmt die Vorfreude auf Badespaß unsere Gedanken. Wir landen wieder in Komos und lassen uns von den Meereswellen berauschen.
20:00 So spät sind wir bisher noch nicht zum Hotel zurück gekehrt! Als Nele tief und fest schläft, setzen wir uns auf die Terasse und besprechen den morgigen Tag. Die Reise wird uns diesmal in den Westen Kretas führen. Ich bin gespannt!
 

Mittwoch

Heute wollen wir die Insel weiter erkunden. Die Fahrt nach Rethymno an der Nordküste führt uns durch eine vielfältige Landschaft; von grünen Ebenen bis hin zu den bereits bekannten Bergen und ihren Serpentinen. Uns erwartet bislang nicht Erlebtes. Rethymnon ist die eine der größten Städte Kretas mit seinen ca. 25.000 Einwohnern. Ein Meer von "spitzdachlosen" Häusern, wohin man schaut!
Zunächst wandern wir rund um die Festung, die mitten im Ortskern majestätisch aufragt, dann wagen wir uns an den Aufstieg. Rundum fantastische Aussicht! Es ist heiß, aber wir steigen nur bedauernd wieder herunter und bummeln ein wenig durch die Altstadt. Etwas Abkühlung verschaffen wir uns durch einen Sprung ins Wasser, dann geht es zurück in den Süden. Auf dem Rückweg halten wir in Spíli, einem bezaubernden Sraßendorf auf unserer Stecke nach Agio Galini. Beeindruckt von 24 Wasser speienden Löwenköpfen verweilen wir dort und genießen die Ruhe des Ortes.
!7:30 Im Süden angelangt, fahren wir zu unserem Strand und lassen den Tag dort ausklingen, bis die Luft kühl und die Sonne fast hinter den Bergen verschwunden ist. Abends sitzen wir noch lang auf unserem Balkon. Nele schläft tief und fest.
 

Donnerstag

Der letzte Tag auf Kreta! Mit diesem Gefühl wache ich bedauernd auf. Freude auf diesen Tag will sich nicht so recht einstellen, auch Nele quengelt viel und ist mit allem unzufrieden. Auch dass wir einen neuen Strand ausprobieren, kann uns nicht aufheitern. Wir ziehen weiter nach Matála. Bummeln ein bisschen durch die Straßen und kaufen kleine Souveniere für die Liebsten, die daheim geblieben sind. Nele wird kurzerhand in ein Tuch gepackt und durch die Gegend getragen. Scheint ihr großen Spaß zu bereiten! Wir essen eine Kleinigkeit und fahren anschließend nach Komos.
Ein heftiger Wind bläst uns den groben Sand um die Ohren. Die Wellen schlagen hoch. Wehmütig blicke ich auf das Meer hinaus und wünsche mir, wir könnten noch bleiben. Wir packen bald zusammen und kehren nach Agio Galini zurück. Unternehmen einen letzten Bummel durch die Stadt, erledigen letzte Einkäufe. Eine wundervolle, ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende entgegen. Schade!
 
Freitag
8:00 Der Tag beginnt hektisch. Keine Zeit für nichts. Wir gönnen unserem Hotel einen letzten Blick und steigen in den Reisebus, der uns zum Flughafen von Heraklion bringen wird. Auf der Fahrt dorthin sammelen wir weitere Abreisende aus verschiedenen Hotels auf. Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Flughafen. Unser Flug nach Dresden startet mit einer 15 minütigen Verspätung. Angesichts dessen, dass andere Reisende bis zu 6 Stunden auf ihren Rückflug aufgrund von Verspätungen warten müssen, reihen wir uns beruhigt in die Schlange vor unserem Gate ein.
12:15 Der Flieger hebt pünktlich vom Boden ab und bringt uns zurück in unsere Heimatstadt. Traurig schaue ich aus dem Fenster; die Ergriffenheit des Hinfluges vermisse ich schmerzlich.
In Kreta flogen wir ab bei 32°C und strahlend blauem Himmel, in Dresden empfangen uns dumpfer Nieselregen und kalte, unfreundliche 15°C. Für Nele habe ich an warme Sachen gedacht, aber wir frieren auf der Heimfahrt erbärmlich.
Zu Hause. Die ganze Familie hat sich im Esszimmer versammelt und erwartet uns. Die Wiedersehensfreude ist groß; es gibt eine Menge zu erzählen. Langsam, aber sicher komme ich an.
In einem bin ich mir ganz sicher. Nämlich, dass ich diese Insel wieder sehen werde. Mit meiner gesamten Familie, mit all meinen Kindern. Wenn nicht im kommenden, dann im übernächsten Jahr, aber wir werden gemeinsam einen zweiten wunderschönen Urlaub auf Kreta verleben, das weiß ich!
Ende
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