Als er etwa drei Jahre alt war,
fragte sich ein kleiner Junge das erste Mal:
„Sehe ich die Welt denn so, wie all die Menschen hier?
Das ist doch nackter Wahnsinn; und darin leben wir!?“

Ein paar Jahre später; er wurde gerade zehn,
da konnte er das alles überhaupt nicht mehr verstehen.
„Stell dir vor, du bist erwachsen, wirst genauso ’n Arschloch sein!
Das könnt ihr mit mir nicht machen, darauf lass’ ich mich nicht ein!“

Mit achtzehn schmeißt er alles hin, will nicht für andre schuften.
„Ich bin nicht euer Neger, und ich lass’ mich nicht benutzen!“
In einer Band als Sänger sieht er ein bisschen Glück,
doch Jahr für Jahr verliert er immer mehr den Überblick.

Die Zeit vergeht viel schneller unter Drogen, Schnaps und Bier;
Ein Kneipen-Punk und obdachlos; ein jeder kennt ihn hier.
„Ich bin der Sänger of Recorded on the roadkill; come on!!!”
Er schreit laut, weil er denkt, dass keiner ihn mehr hören kann.

Seine Freundin setzt ihn, wenn er dicht ist, vor die Tür.
Er schreit und tritt die Türen ein: “Das macht man nicht mit mir!“
Die Welt hat sich verändert in den letzten dreißig Jahren,
und Freunde sind schon längst nicht mehr der Halt, der sie mal waren.

Sein kleiner Sohn wird an einem Sonntag geboren,
und seitdem ist das Leben ganz erträglich geworden.
Wenn sein Kleiner drei ist, dann kann er ihn mal fragen,
ob er die Welt genauso sieht wie Kies in Kindheitstagen.

Der Mensch hat nur ein Leben, das Stück um Stück verrinnt.
Es wird höchste Zeit, dass er das zu begreifen beginnt!

Dresden, 17. April 2003
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