Weine nicht, mein Kind, wenn sich der Tag dem Ende neigt.
Die Nacht ist auch zum Träumen da, und schwarz ist nur ihr Kleid.
Weine nicht, wenn du glaubst, mit deiner Wut allein zu sein.
Ich kann dich gut verstehen, auch wenn es manchmal nicht so scheint.

Weine nicht, mein Schatz, wenn der Zweifel dich befällt;
Du mit deinen Freunden Streit hast, dich allein fühlst auf der Welt.
Weine nicht, weil du nicht immer alles haben darfst,
weil du nicht auf ewig dieses Kind sein kannst, das du gern warst.
Auch du wirst bald erwachsen sein und ich wünsche mir für dich,
dass du in dieser Zeit bestehst und dich stärker fühlst als ich.

Weine nicht, mein Liebling, wenn du schlecht geschlafen hast;
du der festen Überzeugung bist, dass alle Welt dich heute hasst.
Weine nicht, weil du nicht so stark bist, wie es andre sind;
Zeige deine Tränen nur, wem du vertraust, mein Kind!

Weine ruhig, wenn du mal nicht über allem stehst!
Wein vor Glück, weil du nicht, wie so viele, über Leichen gehst!
Weine doch, wenn ich dich laut anschrei, weil ich müde bin!
Weine nur, mein Sonnenschein, jede Träne hat für dich doch einen Sinn!

Dresden, 21. Januar 2003
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